Für viele junge Menschen ist der Auszug von zu Hause der erste Schritt in ein unabhängiges Leben. Doch die Realität auf dem deutschen Mietmarkt bremst die Euphorie schnell aus: Wohnen wird für Studierende zunehmend zum finanziellen Ausnahmezustand.

 

Aktuelle Daten des Statistischen Bundesamts verdeutlichen die angespannte Lage in Universitätsstädten und zeigen, warum Angebot und Nachfrage auf dem Mietmarkt immer weiter auseinanderdriften.:

Mehr als die Hälfte des Einkommens geht für Wohnen drauf

Während der bundesweite Durchschnitt der Bevölkerung etwa 24 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens für Wohnkosten aufwendet, sieht es bei Studierenden mit eigener Haushaltsführung deutlich dramatischer aus:

  • 54 Prozent ihres Einkommens zahlen Studierende im Schnitt für ihre Miete und Nebenkosten.
  • Alleinlebende Studierende trifft es noch härter: Sie bringen im Schnitt 56 Prozent ihres Einkommens für das Wohnen auf.
  • Wer in einer WG oder mit Auszubildenden zusammenlebt, kommt im Schnitt auf 49 Prozent.

Ab einer Wohnkostenbelastung von mehr als 40 Prozent des Haushaltseinkommens gilt ein Haushalt statistisch als durch Wohnkosten überlastet. Unter Studierenden mit eigener Haushaltsführung betrifft dies rund 65 Prozent – im Vergleich zu nur 11 Prozent in der Gesamtbevölkerung.

Knappes Budget treffen auf steigende Preise

Die Ursache für die hohe Belastung liegt auf der Hand: Das Monatsbudget vieler Studierender ist extrem knapp bemessen.

  • Die Hälfte der Studierenden mit eigener Haushaltsführung verfügte zuletzt über ein Monats-Nettoeinkommen von weniger als 963 Euro (Medianwert).
  • Die Haupteinnahmequelle ist für viele die eigene Erwerbstätigkeit (Jobben macht im Schnitt 45 % der Einkünfte aus).
  • Unterhalt von Angehörigen macht rund 29 % aus, während Sozialleistungen wie BAföG oder Stipendien im Schnitt nur 14 % der Einkünfte abdecken.

Die BAföG-Lücke: Wohnpauschale reicht in vielen Städten nicht mehr

Besonders deutlich wird das Problem beim BAföG: Die dort enthaltene Wohnkostenpauschale liegt aktuell bei 380 Euro pro Monat.

In Universitätsstädten mit stark angespanntem Wohnungsmarkt – wie München, Frankfurt, Hamburg oder Berlin – reichen 380 Euro jedoch in den seltensten Fällen aus, um überhaupt ein einfaches WG-Zimmer warm zu finanzieren. Studierende müssen die Differenz zwingend über Nebenjobs oder die Unterstützung der Eltern ausgleichen, was den Druck zusätzlich erhöht.

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PAVO Redaktion, September 2026